La Cité du Train: Wo die SNCF ihre Kleinode hortet

Ausflugtipps
// 12 Juli 2016

Die „Cité du Train“ in Mulhouse ist Europas größtes Eisenbahnmuseum. Hier hat die SNCF ihre besten Erinnerungsstücke in mehreren Abteilungen untergebracht. Im „Parcours Spectacle“ lernt der Besucher interessante Aspekte der Bahn kennen, an den „Quais de l’Histoire“ verfolgt er die Entwicklung der Eisenbahn von 1844 bis heute, und im „Panorama Ferroviaire“ mit dem „Mini Express Alsace“ kann er selber Eisenbahn erleben.

Undeutliche Lautsprecherdurchsagen, Hupen, Zischen und Schnaufen von starken Motoren: Kaum tritt man in die erste Ausstellungshalle, ertönen die typischen Geräusche eines Bahnhofs. Auf der nun folgenden Reise durch die „Cité du Train“ begegnet der Besucher rund 100 Originalen aus mehr als 170 Jahren Bahngeschichte.

Auf dem „Parcours Spectacle“ geht es am Gleis 1 um Ferienreisen: Als die Franzosen 1936 nach der Einführung des bezahlten Urlaubs erstmals mit dem Zug in die Berge und ans Meer fuhren, handelte die Regierung der „Front Populaire“ mit den Bahngesellschaften eine 40-prozentige Ermäßigung auf den Fahrscheinen dritter Klasse aus. Im ausgestellten 3.-Klasse-Wagen sind die breiten Bänke erstaunlich weich gepolstert, die Toiletten geräumig. An der Tür warnt ein Schild: „Ne laissez pas les enfants jouer avec la serrure“ („Kinder nicht mit dem Schloss spielen lassen“).

Mit Gummi über die Schiene #discover

Als erstes Schienenfahrzeug steht eine Micheline aus dem Jahre 1936 da. Sie war vom Reifenhersteller André Michelin entworfen und in seiner Fabrik in Clermont-Ferrand hergestellt worden und fuhr tatsächlich mit Gummireifen auf Schienen. Die Strecke von Paris nach Deauville schaffte sie in der Rekordzeit von 107 km/h. Als die Reifen längst abgeschafft waren, nannten die Franzosen – und viele Luxemburger – alle Triebfahrzeuge immer noch „Micheline“.

Am Gleis 2 liegt eine Lok seitlich auf einem Schotterhaufen, der tosende Knall einer Explosion macht auf den aktiven Widerstand der Eisenbahner während des Zweiten Weltkrieges aufmerksam. Auf einem Fernsehschirm laufen Ausschnitte aus dem Film „La Bataille du Rail“ (1946), der Sabotageaktionen gegen die deutschen Truppen in spektakulären Bildern nachzeichnet. Der Eisenbahner und sein bisweilen schwerer Beruf werden mit Ausschnitten aus dem Film „La Bête Humaine“ mit Jean Gabin, frei nach dem Roman von Emile Zola, gewürdigt.

Am Anfang waren die Freunde der Bahn

1971 stellten passionierte Eisenbahnfreunde im Güterbahnhof von Mulhouse-Nord ein Museum aus Eisenbahnmaterial zusammen. Fünf Jahre später konnten sie die Stadt Mulhouse und die SNCF von ihrer Idee überzeugen, und so entstand in einem Neubauviertel der Stadt die „Cité du Train“, die 2005 vergrößert und nun mit 60.000 m2 das größte Eisenbahnmuseum Europas wurde.

An den „Quais de l’Histoire“ verfolgt der Besucher zwischen Dampflokomotiven, Diesel- und E-Loks, Triebfahrzeugen, Personen- und Güterwagen die gesamte Eisenbahngeschichte chronologisch: von der „Crampton“ aus dem Jahr 1844 bis zum TGV Euroduplex von 2013.

Wenn sich die riesigen Räder einer „Hudson“ von 1949 in Bewegung setzen, erfährt der Betrachter unter Höllenlärm, wie die Technik der Dampfkraft funktioniert. Eine „Baltic“ von 1911 ist aufgeschlitzt und gibt ihr Innenleben preis, an einem Tender wird durch ein Glasfenster die Wasserzufuhr zur Energiegewinnung erklärt. Beim Gang durch eine Grube lernt man eine „Pacific“ von 1936 von unten kennen. Sie verband unter dem Namen „Golden Arrow“ London über eine Fähre mit Paris.

Die Bedeutung der Eisenbahn

Dann kommt der Italiener Ettore Bugatti zu Ehren, der neben seinen legendären Automobilen auch ein rassiges Triebfahrzeug für die Schiene gebaut hat. Etwas weiter steht ein Kühlwaggon, den die Firma De Dietrich für den Transport der Bierfässer der Brauerei Météor im elsässischen Reichshoffen gebaut hat. Die wirtschaftliche Bedeutung der Eisenbahn symbolisiert auch ein Pfannenwagen, der im lothringischen Rombas noch bis 1988 flüssiges Gusseisen für den Stahlkonzern Unimetal von Werk zu Werk transportierte.

Ein Filetstück des Museums begeisterte 1980 den damaligen Großherzog Jean bei seinem Besuch in Mulhouse: Der 1894 von der damals deutsch verwalteten Elsass-Lothringen-Bahngesellschaft für Luxemburgs großherzogliche Familie gebaute Salonwagen „Grande Duchesse“. An mit Schmiedeeisen verzierten Geländern vorbei gelangten die hohen Gäste ins Wageninnere, wo neben den Privatgemächern ein geräumiger Versammlungsraum heute für besondere Ereignisse angemietet werden kann.

Die „Cité du Train“ bietet einen Überblick über fast zwei Jahrhunderte Eisenbahngeschichte und erlaubt den besonders Neugierigen, viele Details über Netze und Züge zu erfahren. Eine solide Dokumentation erklärt Geschichte und Entwicklung, geht auf die wirtschaftliche und die gesellschaftspolitische Dimension der Bahn ein, und auch die technischen Aspekte werden nicht vernachlässigt.

Die Bahn spielerisch entdecken

In einem Nebenraum wartet die imposante Modelleisenbahn, deren zahlreiche kleine Züge und anderen Detaildarstellungen – bis hin zu mit Blitzlicht fotografierenden Touristen auf dem Felsvorsprung über einem Eisenbahntunnel – durch Münzeinwurf zum Leben erweckt werden.

Unterhaltsam ist auch der Teil des Museums, der unter der Bezeichnung „Panorama Ferroviaire“ im Schatten der Ausstellungshallen etabliert ist. In diesem Hof können die Zuschauer aus nächster Nähe beobachten, wie auf einer Drehscheibe die Lokomotiven auf das richtige Gleis gelotst werden.

Zwischen den Lokomotiven hindurch fährt eine Miniaturbahn große und vor allem kleine Gäste durch den Hof. Sie wird mal elektrisch, mal mit Dampf angetrieben. Am Rande des Geländes fährt die Tram vorbei, die das Eisenbahnmuseum seit 2007 mit der Innenstadt und dem Bahnhof von Mulhouse in etwas mehr als einer Viertelstunde verbindet.

Romain Meyer

Wie komme ich dahin?

Mulhouse ist von Luxemburg aus bequem mit der neuen TGV-Linie über Straßburg zu erreichen. Die Tramlinie 3 verbindet den Hauptbahnhof über die Innenstadt mit der „Cité du Train“.

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In Museumslaune?

Hier gehts zum Artikel über das Museumserlebnis Train World.

 

 

 

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